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Schweinepest verstehen, dann bekmpfen! (23.03.2009)

Im Fachblatt OIKOS beschreiben die Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums fr Umweltforschung (UFZ) und der Universitt Bergen einen bisher bersehenen Zusammenhang bei der Schweinepest: Nicht die Dichte der Wildschweine oder die Ansteckungsgeschwindigkeit sind entscheidend fr das berleben des Virus in einer Population, sondern die Variabilitt der Krankheitsverlufe beim einzelnen Tier.
Es ist bekannt, dass eine Infektion mit der Schweinepest beim einzelnen Wildschwein schnell zum Tod, zu einem lngeren Dahinkrnkeln oder sogar zur Wiedergenesung mit anschlieender Immunitt fhren kann. Die Studie der theoretischen kologen zeigt nun, dass der Cocktail aus den individuellen Verlaufsformen darber entscheidet, ob ein Seuchenzug sich selbst auslscht oder persistent verluft.

In der Landwirtschaft werden zunehmend Bioenergiepflanzen wie Mais angebaut. Kalte, schneereiche Winter, die dafr sorgen knnten, dass geschwchte Tiere auf natrliche Weise nicht berleben, werden seltener. Beide makrokologischen Prozesse verbessern die Lebensbedingungen der Wildschweine. Ein Wildschwein in guter Kondition kann aber der Erkrankung besser widerstehen. Dadurch entstehen mehr milde individuelle Infektionsverlufe, die nach den Erkenntnissen der Forscher im richtigen Anteil gemixt, die Persistenz der Krankheit ermglichen. Dies kann zur dauerhaften Anwesenheit des Virus in der Wildschweinpopulation einer Region fhren. Und damit entsteht ein dauerhaftes Risiko fr die ansssigen Schweinehalter. Einmal vom Wildschwein in den Hausschweinebestand gelangt, kann die Seuche richtig teuer werden. Daher gehrt sie zu den am meisten gefrchteten Infektionen bei Haustieren.

Bisher gilt die Regel: Werden in einem Hausschweinebestand Antikrper gegen das Virus gefunden, dann mssen der gesamte Bestand und alle Hausschweine im Umkreis von 1000 Metern gettet werden. Eine Vorsichtsmanahme mit groen konomischen Folgen: Bei einem Ausbruch der Schweinepest wurden in den Niederlanden 1997/98 eine Million Schweine gettet, weil sie sich im Seuchengebiet befanden, und weitere elf Millionen, weil sie aufgrund vorbeugender Handelsbeschrnkungen nicht mehr verkauft werden konnten. Wenn es mglich wre, umliegende Tierbestnde bei einem Seuchenausbruch zu impfen, dann gbe es eine ethische und wirtschaftliche Alternative zur massenhaften Ttung. Der entscheidende Schritt in diese Richtung wurde unter Federfhrung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) gegangen. Durch die Initiative des Bundesinstituts fr Tiergesundheit steht nun ein hochwirksamer Impfstoff fr einen Notfalleinsatz bereit. "Zuknftige Ausbrche knnten so regelrecht eingefroren werden, indem man die Umgebung von infizierten Betrieben durchimpft", beschreibt Dr. Martin Beer, Leiter des Instituts fr Virusdiagnostik am FLI, die visionren Plne. Das Problem: Auch geimpfte Tiere bilden Antikrper aus und mssten nach den zurzeit geltenden EU-Richtlinien geschlachtet werden. Als Ausweg werden von den Virologen genetisch markierte Impfstoffe entwickelt. Alternative Bekmpfungskonzepte werden denkbar, bei denen nur noch Tierbestnde gettet werden, in denen das Virus selber gefunden wird oder Antikrper, die nicht von einer Impfung mit markiertem Impfstoff herrhren. Ob solche Strategien tatschlich funktionieren knnen, interessiert auch die Europische Kommission.

Im Rahmen einer von der Behrde beauftragten Studie haben die Forscher des Helmholtz-Zentrums mit hochrangigen internationalen Experten zusammengearbeitet und mit Modellsimulationen die Chancen und Risiken eines solchen Strategiewechsels ausgelotet. Die Ergebnisse sind vielversprechend und gerade publiziert worden. Auf dem steinigen Weg bis zur nderung der noch gltigen EU-Direktive startet 2009 ein Forschungsgroprojekt, an dem 17 Partner beteiligt sind und das die EU mit rund 3 Millionen Euro untersttzt. Ziel der Forscher ist es, genetisch markierte Impfstoffe zur Marktreife zu fhren. Dazu soll die passende Bekmpfungsstrategie mit dem Werkzeug der UFZ-Modellierer ermittelt und in akuten Seuchengebieten Europas berprft werden. In diesem Rahmen erhalten die Modellierer des UFZ endlich auch die finanziellen Mittel, um dem Problem persistenter Seuchenzge beim Wildschwein zu Leibe zu rcken. Denn bei den Schwarzkitteln wirkt der existierende Impfstoff ebenso gut. "Das ist wie bei einem Haus, in dem zwar verschiedene Familien wohnen, aber alle unter der gleichen Hausnummer zu erreichen sind", erklrt Dr. Hans-Hermann Thulke vom UFZ, der mit seinen Kollegen die virtuellen Seuchen unter wissenschaftliche Obhut genommen hat. Allerdings muss die Impfung den Schwarzen anstatt mit der Nadel in leckeren Kderhllen verabreicht werden. In Deutschland und Frankreich werden bereits Impfkder in landesweiten Feldversuchen ausgelegt. Reichen die angewandten Strategien aus, um die Ausbreitung der Seuche in Wildpopulationen einzudmmen? Wie kann das Verfahren mit Blick auf das gerade gefundene Wissen ber den Cocktail aus individuellen Krankheitsverlufen verbessert werden? Die Modellierer und Kooperationspartner aus der Bundesbehrde hoffen, gemeinsam in den nchsten Jahren Antworten auf diese Fragen zu finden.
Quelle: "ZDS & UFZ-Forschung zur Klassischen Schweinepest"
zur Verfügung gestellt vom Portal: "Tiergesundheit aktuell"
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